Reaper's Gym

DON'T TALK - JUST TRAIN

www.stefaniebosshard.ch

5. Juni 2017

- Routine - 


 

Immer wieder werde ich gefragt, wieso ich so viel Disziplin habe und es schaffe, immer ins Training zu gehen.

Nun ja, auch das war nicht immer so... Am Anfang ist man immer motiviert und es fällt einem nicht schwer, das einzuhalten, was man sich vorgenommen hat. Manchmal ist man sogar überambitioniert und macht mehr, als das, was man sich als Ziel gesteckt hat. Nach einiger Zeit lässt die erste Euphorie nach und es wird langweilig, mühsam, der Alltag kommt dazwischen, der Erfolg lässt zu wünschen übrig. Die Kilos purzeln zu wenig schnell und das ersehnte Sixpack ist noch in weiter Ferne. Genau an dem Punkt muss man weiter machen. Jetzt ist es wichtig, den berühmt berüchtigt inneren Schweinehund zu überwinden.

 

Auch das kenne ich nur zur genüge aus eigener Erfahrung. Bei mir findet dieser Prozess meistens nach drei Monaten statt. Ich fange an, mich selbst zu belügen. Sprich, ich habe extrem viele ausgezeichnete Argumente in petto, mich selber davon zu überzeugen, dass es nicht so schlimm ist, wenn ich heute einmal nicht ins Training gehe, oder wenn ich eine einzige Zigarette rauche. Dann ist es schon zu spät. Dann habe ich meinem inneren Schweinehund über den Kopf gestreichelt und ihm Recht gegeben.  An dem Punkt kann ich eigentlich meine Sportklamotten an den Nagel hängen, oder direkt zum nächsten Kiosk laufen, um eine Packung Zigaretten zu holen. Das mache ich jedoch nicht. Am nächsten Tag nehme ich mich zusammen und gehe ins Training, rauche nicht. Doch schon am übernächsten Tag fängt das Spiel wieder von vorne an. Dieser Prozess dauert dann etwas weniger lang und schon nach einem Monat bin ich wieder im alten Fahrwasser, kein Training und versuche zu verbergen, dass ich wieder rauche.

Dieses Spiel habe ich unzählige Male so betrieben. Da ich Meisterin in der Vogel-Strauss-Theorie bin, kann ich mein Versagen immer wieder gut ignorieren. Trotzdem, den schalen Beigeschmack des Versagens bleibt. Sich selber einzugestehen, dass man schon wieder seine Ziele nicht erreicht hat ist bitter.

Lustigerweise ist das eigene Umfeld um einiges toleranter mit dem Versagen, ein sehr menschlicher Zug. Zuzusehen wie andere Menschen versagen, ist einfacher, als zuzusehen wie andere Menschen Erfolg haben. Es schmälert die eigene Lasterhaftigkeit. Wenn sie es nicht schafft, dann brauche ich es auch nicht zu probieren.

Also, wie habe ich es geschafft, diesen Teufelskreis zu durchbrechen? Dieser Prozess dauerte insgesamt ca. 15 Jahre und ich musste 37 Jahre Alt werden um zu begreifen. Mein Mann hat an diesem Prozess eine massgebliche Rolle gespielt. Er weiss genau wie ich funktioniere und wie umgekehrte Psychologie bei mir angewandt werden muss. Aber schlussendlich muss man es selber einsehen. Man muss es wollen, Training und Ernährung muss zur Routine werden, in den Alltag integriert. Ich mache mir gar keine Gedanken mehr darüber, dass ich ins Training gehen MUSS, ich gehe einfach. Es gehört zu meinem Tagesablauf dazu.

Gemäss Wikipedia ist Routine, Handlung die durch mehrfaches Wiederholen zur Gewohnheit wird. Doch wann wird etwas zur Gewohnheit? Wie oft muss ich etwas wiederholen bis es zur Gewohnheit wird? Psychologische Studien haben ergeben, dass eine Gewohnheit nach 66 Tagen automatisiert ist. Dies ist ein Durchschnittswert. Es kann auch länger oder auch weniger lang dauern.

Was kann man nun machen, damit man diese 66 Tage erfolgreich übersteht? Dafür habe ich einige Tipps, die ich aus eigener Erfahrung gemacht habe:

  1. Was sind schon 66 Tage im Vergleich zum Rest des Lebens? Was auch immer man sich vorgenommen hat, es soll ja das Lebern bereichern oder verbessern.
  2. Den anfänglichen Schwung und Enthusiasmus nutzen. Unser Gehirn prägt sich Wiederholungen ein und lernt daraus. Übung macht den Meister.
  3. Möglichst vielen Leute vom eigenen Ziel erzählen damit man vielen Leuten "Rechenschaft" schuldig ist. Die Versuchung aufzuhören ist geringer.
  4. Einen konkreten Plan haben. Was mache ich? Wo? Wie? Mit wem? So wird das Ziel klarer, die erste Voraussetzung, um es zu erreichen. Und noch etwas gehört in den Plan. Was passiert, wenn es plötzlich regnet, wenn unerwarteter Besuch auftaucht? Von so was lässt man sich ein-, zweimal abhalten, fühlt sich inkonsequent und lässt es dann häufig ganz bleiben. Ein sogenannter Wenn-dann-Plan hilft.
  5. Dran bleiben, wenn man einmal nicht nach Plan funktionert, nicht aufgeben! Am nächsten Tag weiter machen.
  6. Bei grossen Zielen hilft es, sie in kleine Schritte zu unterteilen. Sich nach jeder erreichte Etappe belohnen. Kleine Erfolge treiben an!
  7. Realistische und konkrete Ziele setzten. Nicht nur abnehmen wollen, sonder 5 kg abnehmen wollen. In diesem Jahr möchte ich den XXX 10 km Lauf machen.

Natürlich hilft ein Partner, der am gleichen Strick zieht und nicht versucht das Vorhaben zu sabotieren. Wichtig ist sich mit positiven Menschen zu umgeben, keinen Neinsager.